Einweihung Huus >Ankers Hörn<

26.06.10 Sonnabend

Um halb Acht war ich unten! Das Frühstück war bereit – sagenhaft, Renata oder Anna sind wahrscheinlich Frühaufsteher – ich stellte doch nur meine Tasse ab und umarmte die aufgegangene Sonne. Eine fröhliche Luft, ich genoss, schaute, begrüßte die Steinkante um Reste meiner drei Austernfischereier aufzuspüren, ich fand nichts. Marina kam, ich wünschte ihr einen fröhlichen Morgen und erzählte vom verlorenen Umschlag, der eventuell unter dem Schrank liegen könnte. Sie kam sofort mit, schauen, und wir fanden ihn!!! Ach war ich froh! Ich hatte meinen Umschlag wieder, das hieß, mein Geschenk, >Lore im Eis< , war wieder da. Jetzt konnte ich mit großem Appetit mein Frühstück orten. Sabine kam mit Biggi, mir Gesellschaft zu leisten. Wir verabredeten uns für draußen im Windschatten. Ich ging mit Kaffeepott voraus, denn jetzt wurde es lebhaft. Elke, Marko und Erich waren auch erschienen, denn Hamlet – ä, nein, Alarich? Nein Attila!!! O Hund, Attila – Jutta merke dir das!!! Ist aber nicht so wichtig, wir werden sowieso keine Freunde. Entweder bellt er oder winselt. Marko durfte noch nicht frühstücken, weil er mit Attila raus musste. Ich nahm das jaulende Bündel mit in die Sonne und Marko konnte in den >Blauen Salon< zum warmen Ei. Aber glücklich war ich nicht auf meiner Bank im Windschatten und in der Morgensonne. Ich hörte weder das Geschwirr der Schwalben, noch das Trillern der Küstenseeschwalben und Austerfischer, ich hörte nur Tristans Gewinsel. Da dachte ich, vielleicht gibt er Ruhe, wenn ich mit ihm ums Haus ginge? Fehl gedacht. Er kam zwar sofort, doch nur bis zur Haustür, durch die Marko verschwunden war. Da blieb er sitzen und heulte, ich konnte noch so sehr am Halsband zerren, eher hätte ich ihn erwürgt, als von der Stelle bekommen. Gott sei Dank kamen Elke und Sabine. Aus dem winselnden wurde nun ein bellender Hund aber ich war ihn los. - Wir wollten klären, ab wann wir nach Mayenswarf durften und wer uns hin fuhr. Virginia sagte: „Ab zwölf Uhr – und mit Bruno könnt ihr fahren.“ Wir interviewten auch noch Bruno – der wusste zwar von nichts, doch er versprach uns zu befördern. Alles O. K. Ich hatte mit Sabine verabredet, Günter zu begrüßen und machte mich in Richtung Rixwarf davon. Die anderen wollten nachkommen, wenn Marko mit dem Frühstück fertig wäre. Ich freute mich auf ’s Alleinsein, fotografierte die mir noch unbekannte Vegetation – schließlich war ich noch nie im Sommer hier -. Von den Hunden hatte ich genug. Der eine winselte oder bellte, der andere fraß Vögel… Oben am Kiosk holte ich meinen Tee und setzte mich hinters Haus mit Blick aufs Meer auf die Bank. Kanuten waren draußen und der Wind trieb ihre Stimmen herüber. Es war schön. Mein Pulk kam langsam an, ich blieb noch eine halbe Stunde, dann schlenderte ich heim. Heute hatte Nicole Geburtstag. Unser Auto war weg, also legte ich mein Geschenk auf den Briefkasten, holte mir einen Liegestuhl und ab in die Sonne. Allerdings so, dass ich sie im Rücken hatte. Nicht übermütig sein! –
Startbereit kurz vor zwölf dampften wir ab mit Geschenken beladen gen Mayenswarf, Huus >Ankers Hörn< . Wir waren fast die ersten Gäste - Lotte und Hans und Maltes Mama waren schon vor Ort - und das war mir lieb. So konnte ich in Ruhe fotografieren. Es ist noch eine Menge zu tun, um das vorweg zu nehmen, aber es sieht ganz doll freundlich aus. Es hat mir gefallen und ich wünsche Virginia und Malte von ganzem Herzen viel Erfolg. Ich werde nicht dort wohnen können, weil die Preise zwischen 59,- und 99,- Euro nicht meinen Verhältnissen entsprechen. Aber das interessierte mich nur am Rand. Wesentlich war die Gestaltung. Mir war als würde ich Virginia über die Schulter schauen und wenn Malte lacht, geht die Sonne auf - so empfand ich meinen Rundgang. Das Ambiente war mit soviel Gefühl aufgebaut, dass ich es am Liebsten umarmt hätte. Ob Form, ob Material, ob Farbe, große Fenster mit Blick in die Weite, tausend kleine Dinge, die anzuschauen Freude bereiteten und Virginias Aura erkennen ließen. Ich möchte sehen, wie’s ausschaut, wenn alles fertig ist. Die oberste Etage war noch gesperrt. Ich werde ganz bestimmt kommen, auf der weiträumigen Terrasse einen Kaffee oder Wein trinken, im Café bei Regen träumen, und genießen… - a propos genießen!!! Nachdem ich besichtigt, was zu besichtigen war, ging ich hinaus auf die Terrasse, nahm mir einen bequemen Korbstuhl und setzte mich neben Hans. Hans saß schon da, als ich kam und als ich ging noch immer. Aber es war auch angenehm dort zu verweilen, der Wind war nicht so heftig und wir etwas geschützt – vor der andrängenden Gästeschar. Und sie kamen und kamen, als ich schon längst gegangen war. Aber so weit war es noch überhaupt nicht. Es gab Unmengen kleiner Köstlichkeiten. Vorspeisen in Porzellanschiffchen oder Gläschen, mit 4 cl Fassungsvermögen: Garnele auf mariniertem Seetang, Matjeshäckerle auf Salatbett, Rindsfiletstreifen oder Hähnchen auf zartem Kartoffelpüree und - und – und – Wahnsinn! Alles servierten uns fleißige Mädchen draußen in kurzen Abständen. Wir brauchten uns nicht bewegen, nicht drängeln. Herrlich. Ich trank nicht viel, zwei Bier, aber, ich weiß nicht mehr wie viel, bestimmt 15 bis 20 Vorspeisen. Dann war ich so sehr satt, dass ich nicht ein Funzelchen mehr zu mir nehmen konnte. Aber es war totaler Genuss. - Es gab noch andere, kleinere Terrassen und drinnen gab’s keinen freien Stuhl und es strömte noch immer herbei. Auch Gerd kam und brachte seine Frau Hella mit. Nach kurzer Blickkontakt begleitete er sie wieder heim. Kurz nach fünfzehn Uhr. Da beschloss auch ich nach Hilligenley zu laufen. Ich brauchte Bewegung. Das Fest war längst nicht zu Ende. Die Akkordeongruppe spielte irgendwann auf, doch ich hatte genug Menschen inhaliert, ich wollte auf meinen >Ruhesitz< . Außerdem hatte Nicole Geburtstag. Ich sagte es schon. Als ich mich von Virginia verabschiedete, fragte sie ganz entsetzt, ob ich denn keinen Kuchen wollte. Nein – Jutta war abgefüllt bis zum Eichstrich. Jutta wollte nur noch laufen. Tschüss >Ankers Hörn< ! –
Der Heimweg war angenehm. Ich wunderte mich, dass Küstenseeschwalben so angriffslustig waren, die Brutzeit war meines Erachtens längst vorüber, doch ich erfuhr, dies wäre schon die zweite Brutzeit. Na ja, weshalb auch nicht. Auf Hilligenley winkte mich Patrick zu sich und stellte mir seine Mutter vor „Das ist meine Mutter…“ und als ich sagte: „Ich bin Patricks Assistentin, Jutta,“ musste er doch grinsen. Sie luden mich zum Kaffee ein. Nicoles Eltern waren ebenfalls gekommen und Sensenmanns Sohn und so wurde es eine fröhliche Kaffeerunde. Während ich auf Maienswarf ziemlich schweigsam war, öffneten sich hier meine Ventile. Schade war nur, dass ich vom herrlichen Kuchen und Torte nichts essen konnte, weil – ich immer noch satt war. Arme Jutta. Ich hätte sehr gerne von der leckeren Torte genascht. Irgendwann löste sich die Gemeinde auf und ich schlenderte auf unsere Karau-Terrasse. Ich hatte Appetit auf Sekt. Schönen kühlen Sekt. Obwohl ich schon bei Nicole gekostet hatte, bestellte ich mir am Tresen bei Renata eine ganze Flasche mit der Bitte, sie im Kühlschrank zu behalten und meine Flöte nur nachzufüllen – bis die Flasche leer wäre. Hi, hi! Sabine, Elke, Marko und Erich – und natürlich die Hunde waren ebenfalls zurück und so schnackten wir noch fröhlich in den Abend. Ich sang ihnen >Fritze Bollmann< vor – Sprechgesang natürlich – und wir gickerten, lachten und alberten. –
Elke hatte einen Sonnenbrand und fror, die anderen wollten auch nach drinnen, ich hatte mir aber vorgenommen, den Sonnenuntergang zu beobachten. Und das tat ich dann auch. Ich nahm einen Tisch ganz am Rand der Terrasse und blieb, bis der rote Ball im Meer versank. – Irgendwann ging ich nach oben, packte mein Handgepäck, duschte noch, kuschelte mich ein und schlief in einen neuen Tag. Meine Heimreise. Die anderen fuhren erst am Montag.

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